Lineartransponder db0ans
wurde Mitte 2009 abgebaut

Der Lineatransponder DB0ANS befindet sich in der Nähe von Gunzenhausen im Locator JN59JD. Gunzenhausen liegt ungefähr 40km südwestlich von Nürnberg mitten im fränkischen Seenland zwischen Altmühlsee und Brombachsee. Der Transponder wird von den Mitgliedern der AFGN betrieben.

Aufgebaut und getestet wurde der Transponder von Willi, DK2GR, der nicht zuletzt durch seinen Beruf erhebliche Erfahrung auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik mitbringt. So manches Bauteil aus der Bastelkiste fand in den Schaltungen von Willi einen würdigen Platz. Die einzelnen Baugruppen sind in einfachen Pertinaxgehäusen HF-dicht eingeschlossen. Jede Funktion, wie Mischer, ZF-Verstärker, Bakenoszillator usw. hat ihr eigenes Kästchen. So tut man sich beim Abgleich und bei Reperaturen leichter. Nicht eine prima Optik, sondern eine gut funktionierende Funktion der Baugruppen stand bei der Realisierung des Transponders im Vordergrund. Schließlich wollte keiner der Transponderleute einen Designpreis gewinnen. Die Bilder geben einen schönen Einblick in das Innenleben des Gerätes.

Um alle Belange des Transponders kümmern sich eine Handvoll OMs der Amateur-Funksport-Gruppe Neuendettelsau e.V. kurz AFGN. Die AFGN ist ein lockerer Zusammenschluß aktiver Funkamateure aus dem Raum westlich von Nürnberg. Das Vereinsheim, in dem regelmäßige Treffen stattfinden und sich die Klubstation DK0ND befindet, liegt in Neuendettelsau, nur wenige Kilometer vom jetzigen Transponderstandort entfernt. Hier wurde auf dem Vereinsmast die ganze Antennenanlage installiert, um erste Tests und Reichweitenversuche zu unternehmen. Die Elektronik spielte auf Anhieb problemlos, sie war ja immer zugänglich. Murphy hatte wenig Lust. Bei den Antennen zeigte Murhpy schon eher, was in ihm steckt. Man muß immerhin den Mast rauf und runter, um an die Antennen zu kommen. Es war bald klar, daß das Abstrahldiagramm der Sendeantennen nicht rund genug war. Bei horizontaler Polarisation ist ein rundes Antennendiagramm mit vier einzelnen Antennen gar nicht so leicht zu erreichen, um nicht zu sagen unmöglich. Je nach Richtung ging der Transponder extrem unterschiedlich. In einem Fall hat es nicht einmal für ein QSO über 20km gereicht. So gingen wir daran, neue Antennen zu bauen und einen höher gelegenen Standort zu suchen.

Nach einigem Suchen fanden wir einen geeigneten Platz für unseren hochfrequenten Umsetzer, der einen wesentlich größeren Aktionsradius versprach. Es handelt sich um einen Wasserturm auf einer Anhöhe, der so hoch ist, daß er die Baumgipfel überragt. Wald dämpft gerade die höheren Frequenzen merklich. So ist es notwendig, daß die Antennen über den Wald hinweg schauen. Nach einigem Verhandeln mit dem Besitzer und viel Geduld bekamen wir die Erlaubnis, uns mit unserem geliebten Spielzeug auf dem Dach des Wasserturms breit zu machen.

Im Herbst 1996 wurden die Antennen gerade noch rechtzeitig vor dem Beginn der naß-kalten Jahreszeit installiert. Es ist nicht sonderlich angenehm, wenn die Hände beim Montieren an den Mast hingefrieren. Gott sei dank, war das Wetter uns wohl gesonnen, es war nicht zu kalt und nicht zu windig. Die Elektronik fand im Inneren des Turmes unweit der Antennen einen geschützten Platz. Dadurch halten sich die unvermeidlichen Kabelverluste in Grenzen.

Nun zur Betriebstechnik: DB0ANS hört auf 10GHz und im 23cm Band im oberen SSB-Bereich. Die Ausgabe befindet sich im 70cm Band, ebenfalls im oberen SSB-Bereich. Diese Frequenzen sind bandplankonform. Es muß nicht jeder gleich das Lesen aufhören, weil er keinen 23cm Transceiver hat. Es sind eine Menge guter Bausätze für Transverter auf dem Markt, die leicht aufzubauen sind. Damit wird der 2m Transceiver zum 23cm Gerät. Wer weis, wozu die beiden Stifte am Netzstecker sind (der eine für den Strom, der andere für Spannung, gell!) kriegt so einen Bausatz zum Laufen. Mit einer kleinen Antenne, die ja bekanntlich neun Mal kleiner wie ihr 2m Pendant ist, wird man auf dem niedrigsten GHz Band qrv. Wer so einfach am Abend auf 23cm CQ ruft, wird wenig Echo finden. Via DB0ANS ist die Chance schon größer.

Oft hilft es auch, bei bestehender 2m oder 70cm Verbindung auf die Existenz von DB0ANS hinzuweisen. Selbst bei aktiven UKW OMs hat sich der Transponder noch nicht überall herumgesprochen. Es ist dann leichter, seinen Gesprächspartner "herüberzulocken" als CQ via DB0ANS zu rufen.

Der Transponder setzt alle Signale linear um, d.h. leise Signale werden auch wieder schwächer ausgestrahlt als starke Signale am Transpondereingang. Idealerweise benutzt man also SSB als Betriebsart. Im Gegensatz zu den Satellitentranspondern bleibt das gesendete Seitenband auch nach der Umsetzung erhalten. Eine im oberen Seitenband empfangene Sendung wird wieder als USB ausgestrahlt. Die Betriebstechnik ist also nicht sonderlich kompliziert.

Man nehme einen 70 cm SSB Empfänger und einen 23 cm Sender, beispielsweise wie oben beschrieben einen 2m Sender mit Transverter. Mit dem Empfänger hört man irgendwo im ca 15 kHz breiten Empfangsbereich. Mit der Hand am VFO Knopf des Senders sucht man die Frequenz, bei der sich die eigene Stimme möglichst natürlich anhört. Dann hat man sich eingepfiffen. Die KW Oldtimer kennen das sicherlich noch von den getrennten Sendern und Empfängern. Um Rückkopplungen zu vermeiden, setzt man vorsichtshalber seine Kopfhörer auf. Die Gegenstation kann sich dann in gleicher Weise auf "unsere" Frequenz eindrehen. Beide beteiligten Stationen können diesen Vorgang mithören. Dem mehr oder weniger ausgiebigen QSO steht nun nichts mehr im Wege.

Richtig interessant wird so ein Lineartransponder erst, wenn mehrere Stationen sich auf der gleichen Frequenz in einer Runde tummeln. Jeder Teilnehmer der Runde hört die ganze Zeit über auf der gleichen Frequenz der Ausgabe. Zum Senden wird logischerweise die PTT gedrückt. Sie kann aber auch die ganze Zeit anbleiben, denn aus dem SSB Sender geht ja bekanntlich nichts raus, wenn der Operator den Mund hält. Wie im richtigen Leben kann in einer Runde jeder was einwerfen wenn er will. Das ist ungefähr so wie am Stammtisch. Wenn zwei reden, hören alle die Beiden, eine gerechte Sache. Nicht so einem normalen FM Relais, bei dem nur der Stärkere das Sagen hat. Ob man die beiden Quassler auch wirklich versteht sei dahin gestellt, aber jeder hat doch zwei Ohren, oder? Es dauert eine Weile, bis man seine Scheu vor dem ständig aktivierten Sender überwunden hat, der es einem ermöglicht, seinem Gegenüber jederzeit ins Wort zu fallen. Hat man sich an die realitätsnahe Betriebstechnik erst einmal gewöhnt, macht der Betrieb über den Transponder echt Laune. Die Runde am Sonntag morgen könnte eigentlich nur noch über den Transponder laufen, es gibt nichts Schöneres. Die Unterhaltung ist so lebensecht, nur wenn man zusammen anstossen möchte, stellt man plötzlich fest, daß man ja noch vor dem Funkgerät sitzt.

Wer den etwas höheren Aufwand für SSB scheut, kann selbverständlich auch in FM über den Transponder arbeiten. Im einfachsten Fall genügt dazu eine Doppelbandhandfunke. Aber Vorsicht, durch Rückkopplung quietscht es gleich laut aus dem Lautsprecher! Der schöne Effekt des Rückhörens wie bei SSB ist nicht gegeben. Der Transponder bedient sich eher wie ein normales FM Relais.

Damit Leute mit ihrem FM Empfänger was sinnvolles zu hören kriegen, läuft eine Bake in Bandmitte, also auf 432,650 MHz. Diese Bake wird in zur vollen und halben Stunde in FM moduliert und eine nette Frauenstimme erzählt über die Transpondertechnik. Zur viertel und dreiviertel Stunde kommt eine Kurzfassung in CW. Danach folgt eine Minute lang Träger und dann eine Leistungsrampe mit sechs Stufen zu je 6dB. Jede Stufe entspricht somit ganau einer S-Stufe. Hier kann der OM schön sehen, wie falsch das S-Meter seines Gerätes geht.

Es bleibt zu wünschen, daß sich viele Stationen auf dem Transponder hören lassen oder dieses "High-Tech"-Spielzeug als Anlaß nehmen, auf den höheren Bändern qrv zu werden.

Stationen mit einer 23cm Antenne außer Dach haben keine Schwierigkeiten, aus 50km oder 100km einwandfrei über den Transponder zu kommen. Das deckt den Großraum Nürnberg ab, sowie einen Großteil von Nordbayern. Als gewisser Erfolg darf gewertet werden, daß die Bake bereits inüber 300 km Entfernung in der Nähe von Bonn gehört wurde.

 

Herzlicher Dank gilt Willi, DK2GR, der die Technik des Lineartransponders selbst erstellt hat. Er nimmt gerne Empfangsberichte entgegen. Johannes, DL3NDX nimmt ebenso Empfangsberichte via PR (DB0FHN-8) entgegen. Ein Dankeschön auch an alle, die bei so vielen Kleinigkeiten der Vorbereitung und beim Aufbau unerschrocken mitgeholfen haben, DL9NED (Norbert), DG9NBR (Martin), DC4NQ (Wolfgang), DK2GR (Willi), DG3NCG (Walter), DL3NDX (Johannes) et al.

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Technische Daten von DB0ANS:

Eingabefrequenz: 1296,550 MHz und 10368,550MHz
Ausgabefrequenz: 432,650 MHz
Bandbreite: +/- 7,5 kHz
Bake: 432,650 MHz
Standort: JN59JD
Höhe über NN: 549 m
Antenne f. 10GHz Hohlleiter Schlitzantenne
Antennen f. 23cm: 4x 6El. Collinear vor Reflektorwand
Antennen f. 70cm: 4x Doppelhybrid vor Reflektorwand
Polarisation: horizontal, Diagramm annähernd kreisförmig

transponder 2.jpg (40699 Byte)

Text: dl3ndx

Luftaufnahme vom September 2002

Wasserturm bei Gräfensteinberg im Seenland